Geschichtlicher und theologischer Hintergrund der  Wiedertäuferbewegung
 


Martin Luther
Die Reformation war der bedeutendste Umbruch, den die Geschichte des Christentums kennt. Es war ein Versuch, eine religiöse Gemeinschaft durch Rückgriff auf ihre Ursprünge in ihrem Wesen zu erneuern. Ausgelöst wurde die Reformation durch das persönliche Glaubenserlebnis Martin Luthers, seine Bemühungen um einen "gnädigen Gott", seine Erkenntnis, dass Erlösung und Gnade "allein durch den Glauben"- nicht durch Werkgerechtigkeit- zu erhoffen seien. Die durch Luthers 1517 veröffentlichten Thesen ausgelöste kirchlich- religiöse Bewegung, die von Deutschland aus ganz Europa erfasste, führte zur Spaltung der katholischen Kirche und ließ neue kirchliche Gemeinschaften und eine neue religiöse Haltung entstehen. Sie öffnete einigen die Augen und gab das Startzeichen zur Gründung neuer Gruppierungen verschiedener religiöser Bewegungen im 16. Jhd.

Die Täufer sind eine, dieser in der Reformationszeit enstandenen Sekten; von ihren Gegnern Wiedertäufer genannt, da sie die Erwachsenentaufe propagierten. Diese Bewegung, die eine innere Erneuerung der Kirche aus dem Geist und dem Wort der Heiligen Schrift suchte, glaubte, dass die Kirche nur aus bewusst Freiwilligen (wahrhaft Gläubigen) bestehen könnte; darum lehnten die Täufer die Kindertaufe ab und bestanden auf die Taufe der Erwachsenen, die sich frei entscheiden können.


 
 
 
 

Die erste Täufer-Gemeinde entstand in Zürich, als C. Grebel sich 1523 von H. Zwingli trennte, weil dieser die Durchführung der Reformation vom Rat der Stadt erwartete. 1525 vollzog Grebel die erste Erwachsenentaufe. Mit Grebels Tod 1526 begann eine lange Zeit der Verfolgung für die Täufer, die jedoch  die Ausbreitung der Bewegung vor allem in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Mähren und Ungarn nicht verhindern konnte.
Weiterführende Informationen zur Entstehungsgeschichte der Wiedertäuferbewegung

Huldrych Zwingli


 


Thomas Muenzer
Ursprünglich pazifistisch eingestellt, radikalisierte sich die Bewegung im Bauernkrieg 1525. Die Täufer nahmen an den Aufständen in Sachsen, Franken und Thüringen teil und wurden mit diesen unterdrückt. Unter dem Druck der Verfolgungen bildeten sich zeitweise revolutionäre Strömungen ( z.B. unter Thomas Muenzer, ca.1490- 1525). Die sozialen Unruhen am Vorabend des Bauernkrieges bekräftigten damals den theologischen Gedankengang Thomas Muenzers. So kam es dazu, dass er zu den Führern des mitteldeutschen Bauernaufstandes geworden ist.

Muenzers Grundaussagen, entscheidend für das Heil sei der Glaube, der unter dem Kreuz, im Leiden gefunden werde, erinnert an Luthers Theologie des Kreuzes. Es war für Muenzer nicht zweifelhaft, dass die "wahrhaft Gläubigen" erkennbar sind, und gerade jetzt ihre Absonderung von Gott gewollt sei. Es soll außerdem bedeuten, dass der "Jüngste Tag" unmittelbar bevorsteht, sowie die Niederschlagung der Gottlosen und die "Weltherrschaft" der Geisteskinder. Es erschien nun die Aufgabe der Gotteskinder zu sein, alle Vorkämpfer der Gottlosigkeit, d.h., die Reichen und die Mächtigen, gänzlich zu vernichten. Diese beuteten die Bauern aus, um ihr Wohlleben zu genießen, und ließen diesen nicht einmal Zeit zum Lesen der Bibel.


 

Einer Gruppe um Jan Matthys  und Jan van Leiden gelang es 1534, in Münster einen Täuferstaat mit Gütergemeinschaft und Polygamie ("Vielweiberei") zu errichten. Das dort errichtete Täuferreich von Münster artete bald in eine Schreckensherrschaft aus, die die täuferische Bewegung auf Dauer diskredierte. Sie konnte vom Heer des Bischofs von Münster erst nach einer Belagerung von 16 Monaten im Juni 1535 gebrochen werden. Die Anführer (vor allem Jan Bockelson) fielen oder wurden hingerichtet. Gedankengut lebt in gemäßigter Form  weiter in den Bewegungen der Mennonieten und der Baptisten.

Quellen: Aus Bernd Möller, Geschichte des Christentums in Grundzügen, Göttingen 1992 s. 245-250; Das aktuelle Universal-Lexikon in 8 Bänden, 1994 by Lingen Verlag; Brockhaus Universal-Lexikon.