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Entstehungsgeschichte
der Wiedertäufer
In den Jahren
1523- 1525
entsteht in Zürich das Täufertum. Die Anführer dieser
Bewegung
waren zwei Züricher Gelehrte: Konrad Grebel (ca.1498- 1526) und
Felix
Mantz (ca.1500- 1527). Ihren Namen Wiedertäufer erhalten sie
dadurch,
dass sie die Kindertaufe ablehnen, dafür aber Erwachsene (seit
1525)
"wiedertaufen". Zudem werden die Wiedertäufer als die
"abtrünnigen
Schüler" Luther´s bezeichnet.
In kürzester
Zeit entstehen
auch außerhalb der Schweiz viele Täufergemeinden. Die
religiöse
Bewegung ist kaum noch aufzuhalten und verbreitet sich in
Süddeutschland,
dem Elsaß und bis nach Tirol und Mähren.
Die Täufer
zeichnen
sich durch die Erwachsenentaufe, "Glaubenstaufe" aus. Sie leben nach
besonderen
Vorstellungen:
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Sie
versuchen das Urbild der früh-apostolischen Gemeinden zu
"imitieren"
und streng nach den Ideen des Neuen Testaments und deren Geboten, ganz
abgegrenzt von der übrigen Welt, zu leben. |
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Sie
lehnen Aussagen unter Eidesschwur und den Kriegsdienst ab. |
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Kein
Mitglied der Täufergemeinde darf sich selbst zu einer
Führungsperson
erheben. |
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Sie
wollen nach dem Gesetz Jesu Christi (Nächstenliebe und
Gottesliebe)
leben und sich nicht den weltlichen Irrwegen der
"sündhaften"
Welt unterordnen. |
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"Nur
am Rand der Täuferbewegung taucht die Anerkennung der weltlichen
Obrigkeit
als auch von Christen wahrzunehmenden Amtes auf " (Balthasar Hubmaier,
einflußreicher Theologe). |
Dieser, die
reformatorische
Zwei-Reiche-Lehre ablehnende Dualismus (Dualismus: Zwei Herrscher
regieren
über ein Reich, man muß sich radikal zwischen Gott und Satan
entscheiden) von Welt und Gemeinde findet sich sowohl bei den von
Zürich
ausgehenden oberdeutschen Täufern wie bei den anderen
großen,
in der Folgezeit sich bildenden Täufergruppen, den Hutterischen
Brüdern und den Mennoniten.(Quelle:
Aus J.Wallmann, Kirchengeschichte Deutschlands seit der
Reformation,
Tübingen 1993, S.60- 63 und S.87- 88)
Für
die Täufer ist die Volkskirche, die sich auf die Kindertaufe
beruft,
ein verlogener und sich widersprechender Kompromiss mit der Welt, der
zudem,
ihrer Ansicht nach auch erkauft ist.
Die Verfolgung
der Täufer
Die
Täufer werden
als Ketzer verschrien, die die Todesstrafe verdient haben. Das
älteste
Täuferbekenntnis wird auf einer geheimen Täufersynode
in
Schleitheim, bei Schaffenhausen beschlossen und umfasst folgende sieben
Artikel, die sogenannten "Schleitheimer Artikel":
- Ablehnung der
Kindertaufe
- Bann der
hartnäckigen
Sünder (d.h. Verstoß der Sünder aus der Gemeinde)
- Absonderung von
allen Übeln
der Welt
- Eigene Wahl der
Anführer
- Verzicht auf
Gewalt
- Ablehnung
obrigkeitlicher Ämter
- Ablehnung eines
Eides
Alle Artikel zeigen,
dass sich
die Täufer von Luthers Reformation und Zwingli abgrenzen und eine
andere Auffassung haben. Der ehemalige Mönch und Verfasser der
"Schleitheimer
Artikel" Michael Sattler stirbt kurze Zeit später als
Märtyrer
(Märtyrer: Leute, die für ihren Glauben ihr Leben opfern). Im
August 1527 werden alle Teilnehmer einer Täufersynode, die man in
diesem Fall auch Märtyrersynode nennen kann, ermordet. Der Grund
hierfür
ist die Verfolgung und der Hass auf die Wiedertäufer. Eine
Zeitlang
duldete Straßburg, eine der größten Sitze der
Reformation
die Täufer und gab einigen wie z. B. dem Tiroler
Täuferführer
Pilgram Marbeck Zuflucht. Da nun immer mehr Täufer Schutz in
Straßburg
suchen, setzen Martin Bucer und seine Straßburger Kollgen den
Magistrat
solange unter Druck bis die Täufer aus der Stadt verwiesen werden,
da sich Straßburg für die Kindertaufe und die Staatskirche
entscheidet.
Die
größte Krise der Täufer wurde durch den 1533 ins
Strassburger
Gefängnis gesperrten Melchior Hofmann (ca.1500- 1543)
ausgelöst,
dessen Ideen fatale Folgen für die Täuferbewegung hatten. Er
verursachte in den Niederlanden und in Ostfriesland großes
Aufsehen
durch seine phantastischen Vorstellungen von einem 1000jährigen
Reich,
über das Jesus herrschen soll. Er gewann so Anhänger für
die Endzeitgemeinde, die neue "Bundesgemeinde". Auch als seine,
für
1533 Vorhersagen vom neuem Jerusalem nicht eintraffen, blieb die
Begeisterung
für den Glauben ungebrochen. Von Straßburg "wanderte" nun
die
Hoffnung auf das neue Jerusalem weiter ins westfälische
Münster.
Hier wurde die Stadt von dem einflussreichen Prediger Bernhardt
Rothmann (ca. 1495- 1535) mit dem Täufertum "vertraut"
gemacht,
kurz nach der Reformation.
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Melchior Hoffmann |
| Aus den
Niederlanden liefen
viele Anhänger Hoffmanns, die "Melchioriten" nach Münster
über,
um hier ihren Glauben ausüben zu können. Die einheimische
Bewegung
wird durch die Masse der Täufer überschwemmt und so schaffen
sie es einen täuferischen Rat zu wählen. Das
Münsterische
Wiedertäuferreich (Karte von Münster zur Zeit der
Täufer)
wird von dem Haarlemer Bäcker Jan Matthis, der sich als Prophet
sieht
angeführt. Er will alle "Gottlosen" umbringen. Sein Nachfolger
wird
Jan Bockelsen aus Leiden (Jan van Leiden),
der sich als König von Zion bezeichnen läßt und neue
Dinge
wie Vielweiberei und Gütergemeinschaft erlaubt. Er beherrscht die
Stadt Münster, die durch die Bischöfe belagert wird mit einer
unglaublichen Grausamkeit. Religiöse Hysterie bricht aus. Der
Bischof von Münster schafft es nach vierzehnmonatiger
Belagerung
die Stadt wieder für sich einzunehmen. Er erhielt
Unterstützung
durch die alt- und neugläubigen Reichsfürsten. Inzwischen
wurden
die Wiedertäufer als die schlimmmsten Feinde bezeichnet. |
Karte von Münster zur Zeit
der Täüfer |
| Die
Härte der Vergeltung
konnte sich mit dem Maß an der Schreckensherrschaft messen. Zum
Zeichen
des Sieges über die Wiedertäufer wurden die hingerichteten
Anführer
in einem Käfig am Turm der Lamberti Kirche aufgehängt. |
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Die
Täuferbewegung
erlitt einen derben Rückschlag durch die Ereignisse in
Münster,
wo es ja nur ein kurzes Wiedertäuferreich gab. Die katholische,
wie
auch protestantische Seite konnte von nun an leicht das Volk vor dem
Einfluss
der täuferischen Predigen schützen, indem sie immer wieder an
die Greueltaten erinnerte. Nur durch eine konsequente Abgrenzung von
den
vergangenen Ereignissen und der Rückkehr zu den alten Idealen,
gelang
es den niederländischen- norddeutschen Täuferbewegungen sich
neu zu etablieren. Einen großen Beitrag hierzu lieferte der
Friese
Menno Siemons, nach dem die
Mennoniten
benannt sind.
Text-Quelle:
Aus J. Wallmann,
"Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation" , Tübingen
1993,
S. 60- 63 und S. 87- 88
(C) by: Inga
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