Die Wiedertäufer

Im 16. Jahrhundert wurde in einem Teil des deutschsprachigen Europa die Reformation durchgeführt. Der Zustand der römisch-katholischen Kirche war vielen zuwider und viele wollten das Evangelium in einer ursprünglicheren Form verwirklicht sehen. Zu den Kräften, die die Reformation noch radikaler als die offiziellen Evangelischen durchführen wollten, gehörten die Wiedertäufer. Diese wurden wegen ihren Einstellungen des Glaubens der Kirche gegenüber verfolgt z.B. von den Katholiken und den Lutheranern. Nähere Gründe werden unten aufgeführt.
 
 

Allgemeine Gründe für die Verfolgung :
 

Am 21.01.1525 kam es in Zollikon (bei Zürich) zu der ersten Glaubenstaufe. Diese sollte die Andersartigkeit der Täufer gegenüber der Großkirche ausdrücken. Denn sie schlossen keine Kompromisse, wie die Kirchenleute, sondern orientierten sich uneingeschränkt an der Bibel. Außerdem wollten sie die urchristliche Gemeinde wiederherstellen. Sie wollten nicht die "Jedermannskirche"  sondern eine Gemeinde der Wenigen sein. Die Wiedertäufer lehnten Eid und Kriegsdienst ab. Kein Täufer sollte ein obrigkeitliches Amt bekleiden. Die Täufer sprachen gegen die Zwei-Reichenlehre von Luther. Man soll sich dabei an das Gesetz der Welt halten, aber bei den Dingen, die den Glauben betreffen soll man das Gesetz Christi erfüllen. Ihrer Meinung nach konnte jemand, der nach dem Gesetz der Welt lebt, das Gesetz Christi nicht erfüllen.  weiterführende Informationen zur Entstehungsgeschichte der Wiedertäufer

Da dies Luthers Lehre widersprach, waren die Lutheraner gegen die Wiedertäufer. Auch die Katholiken waren gegen sie,da die Täufer einen Vorwurf an die Kirche machten. Denn auch die Katholiken lebten  nach dem Gesetz der Welt und glaubten trotzdem das Gesetz Christi zu erfüllen.  Die Täufer behaupteten Christus habe menschliche Natur von Maria angenommen. Jesus wurde als Sohn Gottes angesehen, doch als Mensch ist dies nicht möglich. Ein weiterer Dorn im Auge  war, dass die Wiedertäufer die Erwachsenentaufe vollzogen. Sie wollten nämlich, dass man sich selbst für seinen Glauben entscheiden kann und nicht einfach nach der Geburt getauft wird. Da sie durch die Kindstaufe mehr Mitglieder und dadurch mehr Macht bekamen, waren die Katholiken und Lutheraner damit nicht einverstanden.


 

Gründe der Katholiken für die Verfolgung:

"Die Wiedertäufer schwören den Messen, Metten, Vespern und Vigilien ab" (Zitat aus dem Verhör von Jakob dem Schmied), da sie meinen, der Papst sei ein Antichrist und der Teufel habe ihm alles zugeflüstert (siehe Gruppe Apokalypse). Alles Traktieren der Pfaffen sei schrecklich und vergeblich und die Papisten (Katholiken) seien gottlos. Die Täufer feierten weder Feiertage noch Sonntage, weil der Papst sie eingeführt hat. Außerdem habe sich die päpstliche Kirche in vielen Stücken geirrt.
 

Bischof Franz von Waldeck, 
erbitterter Gegner der Wiedertäufer


 
 
 


Martin Luther
Gründe der Lutheraner für die Verfolgung :

Die Täufer forderten eine gesetzliche Sittlichkeit basierend auf der Bergpredigt. Die Bergpredigt ist die urchristliche Zusammenstellung von ursprünglichen selbstständigen Sprüchen Jesu zu einer großen Rede. Jesus erörtert zentrale Fragen der christlichen Lebensführung.  Der folgende Teil der Bergpredigt hatte für die Wiedertäufer eine große Bedeutung:

38 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn.
39 Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar;
40 und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Unterkleid nehmen will, dem laß auch den Mantel.
41 Und wenn jemand dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, mit dem geh zwei.
42 Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will.
43 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen,
45 damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.

(Matthäus 5,38-45) 

Die Lutheraner glaubten dagegen, der Glaube an Gott reiche zur Rechtfertigung des Menschen.

 

 Ein weiterer Grund für die Verfolgung war die Tatsache, dass die Wiedertäufer das Gebot Gottes, seinem Wort der Bibel nichts hinzuzufügen, auf krasse Weise verletzten (durch ihre mystische Lehre vom inneren Licht). Sie dachten, Gott würde direkt zu ihnen sprechen. Bei diesen prophetischen Erleuchtungen handelte es sich wahrscheinlich um ganz normale Träume oder auf Gott projizierte Wünsche. Z.B. kam Jan Matthys um, als er seinen Gegnern entgegen ritt, weil er dachte es wäre die letzte Schlacht und danach käme die Apokalypse (siehe Gruppe Apokalypse). Er hatte eine Vision, dass er nicht sterben würde, sondern ins Paradies kommen würde.
 
Diese Seite wurde von Sonja Fischer, Lena Schirmer und Eileen Müller erstellt. 

Zurück zur Startseite