So gut wie fast nichts ist über
diesen weisen Mann bekannt, der in seinem ganzen Leben keine einzelne Zeile
niedergeschrieben hat. Nur dank Schriften zeitgenössischer Philosophen und
Dichter wurde er seiner Nachwelt bekannt. Die wohl bekanntesten Schriftsteller,
die für die Nachwelt Sokrates Worte festhielten, sind Platon,
Aristoteles,
Xenophon und Aristophanes.
5.1
Platon (428-346 v. Chr.), ein Schüler des Sokrates und
wahrscheinlich auch sein größter Bewunderer, hatte als Berufswunsch eigentlich
Dichter vorgesehen und verstand sich hervorragend darauf, zu übertreiben und zu
dramatisieren. Außerdem sah er im Niederschreiben von Dialogen und Reden seines
Lehrers zurecht eine einmalige Gelegenheit, auch seine Art von Philosophie wie
z.B. seine Ideenlehre bekannt zu machen. Ohne Zweifel sind Platons vier Dialoge,
die sich unmittelbar mit dem Tod von Sokrates beschäftigen, die bekanntesten
seiner Werke, doch stellen sie meistens nur Monologe von Sokrates dar.
1.
Euthphron:
Sokrates hat gerade seine Anklage vernommen und begibt sich zum Gericht, um sie
entgegenzunehmen. Er trifft den Priester Euthphron und erörtert mit ihm den
Begriff der Frömmigkeit.
2.
Apologie:
Hier schreibt Platon die Verteidigungsrede seines Lehrers vor Gericht nieder.
Platon selbst ist anwesend, und gemeinsam mit anderen erklärt er sich bereit, für
Sokrates mit Geld zu bürgen. Aber Sokrates nimmt dieses Angebot nicht an.
3.
Kriton:
Der gleichaltrige Freund des großen Philosophen, der Sokrates diesen Titel gab,
versucht ihn zur Flucht zu überreden, um so dem Urteil zu entgehen, doch auch
dies lehnt Sokrates ab.
4. Phaidros: Platon beschreibt den Tag der Urteilsvollstreckung. Als Sokrates bei Sonnenuntergang den Schierlingsbecher leert, ist Platon nicht anwesend. Es ging wohl über seine Kraft, seinen über alles geliebten Meister sterben zu sehen.
5.2 Xenophon
(430-355 v. Chr.) war ohne jeden Zweifel kein geborener Philosoph und verfolgte
Sokrates höchstwahrscheinlich nur aus dem Grund, um ein Stückchen von seinem
Ruhm abzubekommen. Seine Darstellung von Sokrates ist aufgrund seines fehlenden
schriftstellerischen Talentes nüchtern und sachlich.
5.3
Aristophanes
(445-385 v. Chr.) verfasste im Jahr 423 v. Chr. eine Komödie mit dem Titel
„Die Wolken“, in deren Mittelpunkt Sokrates steht. Platon lässt Sokrates
dieses Theaterstück in seiner Apologie
auf das Heftigste kritisieren. Wie weit Sokrates selbst damit einverstanden war,
lässt sich heute nicht mehr feststellen.
5.4
Aristoteles
(384-322 v. Chr.) kannte Sokrates nur vom „Hörensagen“. Er trat 367 v. Chr.
in die Platonische Akademie ein und sprach mit vielen Menschen, die Sokrates
noch persönlich kannten, in erster Linie natürlich mit Platon selbst. Sein
wichtigstes Werk in diesem Zusammenhang ist die Geschichte
der griechischen Philosophie, in der er Sokrates und seine philosophische
Bedeutung darstellt.
Man bemerkt, dass jeder dieser
Schriftsteller ein anderes Bild von Sokrates zeigt. Die einzigen Übereinstimmungen
bestehen dort, wo der eine vom anderen abgeschrieben hat.
Man stellt sich aber die Frage, wer Sokrates nun wirklich gewesen ist. Dies bezeichnet man als das „sokratische Problem“, welches bis heute nicht gelöst werden konnte und es wahrscheinlich auch nie wird.