Um die Philosophie zu verstehen, sollte man die Urtexte der Philosophen Satz für Satz studieren, analysieren und natürlich begreifen.

Aufgrund Sokrates’ Abneigung seine Gedanken aufzuschreiben ist die Erforschung seiner philosophischen Lehre äußerst schwer. Man kann nur von den Texten seiner Schüler ausgehen, die vielleicht ihre eigenen Ansichten in seinen Mund gelegt haben.

Die fertigen Ergebnisse durch Geschichts- und Philosophieexperten wurden durch Rückschlüsse gewonnen. Diese Art der Nachforschung und Analyse nennt man auch die „indirekte Methode“.

3.1  Die Ethik

Sokrates Beitrag zur Philosophie liegt im Wesentlichen im Bereich der Ethik (von griechisch ethos: Gewohnheit, Herkommen, Sitte). Unter Ethik versteht man eine der Disziplinen der Philosophie, und zwar die wissenschaftliche Lehre von allem Sittlichen.

Für Sokrates war es wichtig ein sicheres Fundament für die menschlichen Erkenntnisse zu finden. Er glaubte, dass dieses Fundament die menschliche Vernunft ist und nicht die Erfahrung und die sinnliche Wahrnehmung, wie es die Empiristen meinten, von denen ein Großteil Sophisten waren. Mit seinem Glauben an die in jedem Menschen steckende Vernunft war er also ein ausgeprägter Rationalist.

Sokrates vertrat damit die Meinung, dass die Vernunft, wie bei der Erkenntnis, der Grundstein für Gerechtigkeit, Liebe und Tugend sei. Er meinte damit diese spezifische Art der Tüchtigkeit.

3.2  Die Moral

In der Moralphilosophie geht es darum herauszufinden, was „gut“ oder „böse“ ist, wie auch, was „richtig“ oder „falsch“ ist. Moral kommt vom lateinischen Wort mores, was soviel wie Sitten, Gewohnheiten und Charakter bedeutet.

3.2.1  Die Erkenntnis zum richtigen Menschen 

Die Tugend setzte er mit der Erkenntnis gleich. Er meinte, dass jemand, der wisse, was gut ist, das Gute tun wird, also tugendhaft handeln wird. Oder anders gesagt: Die richtige Erkenntnis führt zum richtigen Handeln. Aber er ging noch ein Stück weiter, denn er war fester Überzeugung, dass man nur zum richtigen Menschen wird, wenn man das Richtige tut.

Da man nach Sokrates’ Meinung nur falsch handelt, weil man es nicht besser weiß, muss man sein Wissen erweitern, da man sonst kein richtiger Mensch werden kann.

3.2.2  Drei Regeln für Moralphilosophen

Sokrates, den man „Vater“ der Moralphilosophie nennen kann, stellte kurz vor seinem Tod drei Regeln auf. Sie sollen dabei helfen, sich ernsthaft mit moralischen Problemen auseinander zusetzen:

1.   Nicht Gefühle, sondern Argumente sollen uns bei der Frage nach „gut“ und „böse“ leiten.

2.   Bei der Beantwortung moralischer Fragen kann und soll man sich nicht auf das berufen, was andere darüber denken – sie können sich irren.

3.   Nur die Frage, was moralisch „richtig“ oder „falsch“ ist, soll einen Moralphilosophen interessieren, nicht aber, was mit uns passiert, wenn wir uns so oder anders verhalten.

3.3  Die Logik

Das Wort logos kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Satz“. Als Logik bezeichnet man die Lehre von den Prinzipien des Richtigen, d. h. des schlüssigen Denkens und Beweisführens. Als logisch richtig wird diejenige Beziehung zwischen Voraussetzungen und Schluss angesehen, bei der wahre Voraussetzungen zu einem wahren Schluss führen.

Um keine Fehler zu machen, legte Sokrates großen Wert auf allgemeine Definitionen (s. 2.2.2), was besonders in den Schriften des Aristoteles zum Ausdruck kommt.